Auf den Spuren der Exulanten

Seit der Reformation hatte es im Erzstift Salzburg mehrere Wellen der Verfolgung und Ausweisung von Protestanten gegeben, die je nach wirtschaftlicher Lage und politischem Ziel strenger oder auch weniger rigoros unterdrückt wurden. Das Emigrationspatent war auf den 31. Oktober 1731 datiert und wurde den Untertanen am 11. November 1731 verlautbart. Zunächst wurden 4.000 Grundbesitzlose Mägde und Knechte zusammengefangen und deportiert. Ab Mai 1732 wurden vor allem Handwerker- und Bauernfamilien des Landes verwiesen. Fast ein Viertel der Ausgewiesenen überlebten die mühsamen Märsche im Zuge der Vertreibung nicht. Alle Protestanten, die älter als zwölf Jahre waren, hatten das Land innerhalb von acht Tagen zu verlassen. Die Bauern bekamen zwölf Wochen Zeit, ihren Besitz zu verkaufen. Insgesamt, so schätzt man, wanderten 20.000 Salzburger aus. Bis 1837 wurden landesweit „überführte“ Protestanten des Landes verwiesen.
König Friedrich Wilhelm I. in Preußen erklärte sich bereit, die Vertriebenen in seinen entvölkerten Ostprovinzen anzusiedeln. Erst 1740 und auf mehrmaliges Betreiben des preußischen Königs hin wurden die überlebenden Emigranten für den Verlust der Höfe teilweise entschädigt. Die Vertreibung entsprach zwar weitgehend dem „geltenden“ Reichsrecht, des „cuius regio, eius religio“ (Der Landesfürst bestimmt die Religion der Untertanen), die Umstände der Vertreibung (u. a. ohne Einhaltung der Fristen) – erregten aber europaweit Widerwillen. Vergleichsweise besser hatten es die Emigranten, wenn sie in Ostpreußen ankamen. Mittellose Bauern bekamen hier vom preußischen König ein Stück Land zur Verfügung, Handwerker konnten ihrem Gewerbe in den Städten ungehindert nachgehen. Goethes Hermann und Dorothea geht auf eine Episode der Salzburger Emigration zurück. Die Emigration zog auch für Salzburg unausbleibliche Nachwirkungen nach sich. Neben einem Bevölkerungsverlust von einem Sechstel standen plötzlich 1800 Bauernhöfe verlassen da. Das war eine gewaltige Einbuße im Bereich der Landwirtschaft, die zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des Erzstiftes zählte. In den folgenden Jahren wurden viele Höfe der Vertriebenen zur Hälfte bis zu einem Viertel ihres Wertes verkauft.

Im Jahre 1966 bedauerte der Salzburger Erzbischof Andreas Rohracher im Rahmen eines Festaktes die Vertreibung.

Senftenberg in der Oberlausitz war am 14. August 1732 Schauplatz der Ankunft der Exulanten die per Dekret vom 31. Oktobris 1731 des Erzbischofs Leopold Anton von Firmian die Ausweisung von etwa 20.000 Salzburger Protestanten (Salzburger Exulanten) an. Verfasser war vermutlich sein Hofkanzler Christani di Rallo.
In mehreren Zügen (Trecks) verließen sie ihre Heimat und mehr als 500 Exulanten kamen dabei auch im August 1732 durch Senftenberg in der Oberlausitz.

Auszug aus dem Städtearchiv:

Am 14. August 1732 sind die wegen der Religion vertriebenen und ins Brandenburgische ziehenden Salzburger Emigranten hier angekommen. Sie wurden nicht nur mit Speis und Trankversorgt, sondern der Amts-Inspektor Krauschütz ließ auch Almosen für sie sammeln. Auch wurden zwei Predigten zu ihren Troste gehalten.
*) Die Emigranten kamen aus Ruhland her. Die Geistlichkeit und die Schullehrer gingen ihnen bis an den Margarethen=Lug entgegen. Während ihres Zuges nach der Stadt wurde das Lied 604 gesungen. Manche Frau hatte ihren Ehemann, und umgekehrt wegen der Religion verlassen. Viele Väter und Mütter trugen ihre kleinen Kinder auf den Armen. Es flossen viele Thränen und Wohlhabende und Arme beeilten sich, die Unglücklichen zu unterstützen.

 

Historische Dokumente aus Archiven und Kirchenbüchern geben Auskunft über den Aufenthalt und den weiteren Weg der Exulanten durch das Markgraftum Oberlausitz nach Hoyerswerda und über Ruhland nach Senftenberg. Nach beschwerlichem Marsch kommen sie, dem Ruf des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. folgend, im November 1732 in Preußisch-Litauen, dem späteren Ostpreußen, an.
Hier wird im Januar 1740 durch Kabinettsorder Friedrich Wilhelms I. das Salzburger Hospital gegründet und bald können die ersten 40 alten und siechen Salzburger aufgenommen werden. Aus dieser eigenständige karitative Einrichtung entsteht die heute noch existierende Stiftung Salzburger Anstalt Gumbinnen, die mehr als 200 Jahre lang bis 1945 alte und bedürftige Menschen Salzburger Herkunft betreut.
Am 22. Februar 1911 findet beim Salzburgerfest in Gumbinnen die Gründung des Salzburger Verein mit Gottesdienst in der Salzburger Kirche (Markus 9, 50 b: Habt Salz bei euch und habt Frieden untereinander) statt.

Der „Salzburger Verein e.V. Vereinigung der Nachkommen salzburgischer Emigranten Bielefeld“ nahm sich dieses Jahr vor, eine Reise vom 24. August 2018 bis 26. August 2018 nach Senftenberg zu veranstalten, um den Spuren der Vorfahren bzw. der Exulanten nachzugehen.
Veranstalter war die Landesgruppe Berlin/Brandenburg geleitet von Herrn Bruno G. Berger, großer Dank auch an Frau Kerstin Dankhoff & Herrn Thomas Neubacher für die Vorbereitungen in Senftenberg.

Auf Bootstour mit der Aqua Phönix von Geierswalde nach Senftenberg.

Eine gemeinsame Erkundungstour durch Senftenberg haben Mitglieder des Vereins für Heimatpflege 1909 dieser Tage mit ihren Gästen vom Salzburger Verein unternommen.
Einen Innenhof am Jüttendorfer Anger, den Marktplatz mit Postmeilensäule und die Pension am Markt 15 erläuterte Vereinsvorsitzender Hans-Peter Rößiger, unterstützt von André Nickel, Falk Peschel, Anja Schöne und Thomas Neubacher. Er ist Mitglied im Salzburger Verein und hatte die Veranstaltung federführend geplant. Am Markt 15 empfing die Salzburger der sächsische Kurfürst. Er vermittelte Wissen über Senftenberg im 18. Jahrhundert. Bei Familie Körner gewannen die Besucher einen Eindruck der 600-jährigen Geschichte des Weinbaus in Senftenberg. Marianne Körner, Vorsitzende der Senftenberger Weinfreunde, und die Weinkönigin luden zur Verkostung Brandenburger Weine ein. Im Rathaus präsentierte Bürgermeister Andreas Fredrich kurzweilig jüngere Geschichte und die gegenwärtige Situation Senftenbergs. In der Peter-und-Paul-Kirche wurde mit Pfarrer Schwarz ein Gottesdienst gefeiert und anschließend ein spannender Einblick in die Geschichte des Hauses gegeben. Den Besuch rundete eine Schiffsfahrt von Geierswalde nach Senftenberg ab.

Maya Mai Senftenberg
FOTO: Leserfoto Senftenberg.

Weitere Links:

Salzburger erkunden Senftenberg

https://youtu.be/RM8Lo_5HrkE

www.wmz.de/salzburger-erkunden-senftenberg/

Digitalisate „Salzburger“ 1732 / 33